Indienfahrt 2026
Mit dem Flug von Düsseldorf über Dubai begann unsere Reise nach Indien. Am Morgen erreichten wir Delhi, eine Stadt, in der Vergangenheit und Gegenwart auf faszinierende Weise ineinanderfließen. Schon auf der Fahrt vom Flughafen bekamen wir einen ersten Eindruck von der Größe, Lebendigkeit und Vielfalt dieser Millionenmetropole.

Unsere ersten Besichtigungen führten uns zu bedeutenden religiösen und kulturellen Orten: Wir erkundeten den beeindruckenden Qutb-Minar-Komplex, ein UNESCO-Weltkulturerbe und Meisterwerk indo-islamischer Architektur. Anschließend besuchten wir den Lotus-Tempel, einen Ort der Stille und Offenheit für Menschen aller Religionen, der durch seine außergewöhnliche Architektur und seine besondere Atmosphäre berührte.
Am folgenden Tag stand eine ausführliche Stadtrundfahrt durch Alt- und Neu-Delhi auf dem Programm. Wir hielten an der Gedenkstätte Raj Ghat, wo Mahatma Gandhi eingeäschert wurde, und gedachten seines Einsatzes für Frieden und Gewaltlosigkeit. Ein weiterer Höhepunkt war der Besuch der Sikh-Tempelanlage Bangla Sahib, die mit ihrer Gastfreundschaft, Spiritualität und dem gemeinsamen Essen für alle Besucher beeindruckte.

Vorbei an zentralen Gebäuden wie dem Präsidentenpalast, dem Parlamentsgebäude und dem India Gate erhielten wir einen Einblick in das politische Herz Indiens. Am Nachmittag besuchten wir den monumentalen Akshardham-Tempel, dessen Größe, kunstvolle Steinmetzarbeiten und spirituelle Ausstrahlung einen bleibenden Eindruck hinterließen.

Diese ersten Tage in Delhi waren geprägt von intensiven Eindrücken, religiöser Vielfalt, bewegender Geschichte und großer Gastfreundschaft – ein eindrucksvoller Auftakt für unsere Reise durch Indien.
Nach den ersten intensiven Tagen in Nordindien erreichten wir Jaipur, die berühmte „Pink City“ Rajasthans. Schon die Fahrt in die Stadt hinein ließ ahnen, was uns erwartete: ein Farbenmeer, lebendiger Verkehr, Märkte, Tempel, Paläste – und mittendrin das pulsierende Leben. Jaipur ist keine Stadt, die man nur anschaut. Man wird von ihr umfangen.
Wir begannen mit dem Besuch des City Palace, einer weitläufigen Palastanlage im Herzen der Altstadt. Hinter mächtigen Mauern öffnet sich eine eigene Welt aus Innenhöfen, Gärten, Pavillons und prunkvollen Hallen. Besonders beeindruckend waren die kunstvoll gestalteten Gewänder der Maharadschas, die filigranen Waffen und die detailreichen Miniaturmalereien. Hier wurde deutlich, wie sehr Macht, Schönheit und Spiritualität in der indischen Geschichte miteinander verwoben sind.

Ein ganz eigenes Erlebnis war die Fahrt mit der Fahrradrikscha durch die Altstadt. Enge Gassen, Händler, Kühe, Mopeds, Kinder, Gewürzduft, Tempelglocken – alles gleichzeitig. Jaipur zeigte sich hier nicht geschniegelt, sondern echt. Besonders eindrucksvoll war der Fotostopp am Hawa Mahal, dem „Palast der Winde“. Die unzähligen kleinen Fenster wirkten wie ein steinernes Spitzengewebe. Einst konnten die Hofdamen von hier aus das Leben auf der Straße beobachten, ohne selbst gesehen zu werden – ein Bauwerk, das zugleich Schönheit und gesellschaftliche Ordnung widerspiegelt.
Am nächsten Morgen führte uns der Weg zum Amber Fort, das majestätisch oberhalb eines Sees liegt. Schon von weitem wirkt die Anlage wie eine goldene Krone auf dem Bergrücken. Beim Aufstieg öffneten sich immer neue Höfe, Tore und Terrassen. Besonders berührend war der Spiegelpalast (Sheesh Mahal), dessen Wände und Decken vollständig mit feinsten Spiegelmosaiken ausgekleidet sind. Ein einzelnes Licht genügt, um den Raum in tausendfachem Glanz erstrahlen zu lassen – ein Bild fast wie ein Sternenhimmel. Hier wurde spürbar, welche Bedeutung Licht in allen Religionen Indiens hat.
Durch Audienzhallen, Gärten und Frauenräume wandelten wir durch Jahrhunderte königlicher Geschichte. Trotz aller Pracht blieb eine gewisse Stille, die zum Innehalten einlud. Der Blick von oben auf die Landschaft ließ ahnen, wie sehr diese Festung zugleich Schutzraum, Machtsymbol und Lebensort war.
Weiter ging es nach Agra, einst Hauptstadt des Mogulreiches. Am Abend tauchten wir ein in die Welt der Moguln bei einer kulturellen Bühnenaufführung, die Tanz, Musik und Schauspiel verband. Die Geschichte der großen Liebe zwischen Shah Jahan und Mumtaz Mahal, die später im Taj Mahal ihren Ausdruck finden sollte, wurde hier erstmals lebendig.
Der folgende Tag stand ganz im Zeichen eines der berühmtesten Bauwerke der Welt: des Taj Mahal.
Schon der erste Blick durch das Haupttor ließ viele von uns still werden. Der weiße Marmor schien im Morgenlicht beinahe zu schweben. Je näher wir kamen, desto mehr offenbarte sich die Vollkommenheit dieses Ortes: die Symmetrie der Gärten, das leise Plätschern der Wasserläufe, die zarten Ornamente aus Halbedelsteinen, die in den Marmor eingelegt sind. Alles wirkt leicht, klar und zugleich zutiefst getragen von einer stillen Würde.
Das Taj Mahal ist mehr als ein Mausoleum. Es ist ein steingewordenes Gebet, ein Zeugnis von Liebe, Vergänglichkeit und Hoffnung. In einer Welt, die oft laut und chaotisch erscheint, war dieser Ort von einer fast überirdischen Ruhe. Viele nutzten die Zeit zum Schweigen, zum Betrachten, zum inneren Gebet.

Hier, am Taj Mahal, schien sich vieles zu bündeln, was wir seit Jaipur erlebt hatten: Macht und Ohnmacht, Schönheit und Vergänglichkeit, Reichtum und Sehnsucht, Geschichte und Glauben. Ein Ort, der nicht nur die Augen, sondern auch das Herz berührt.
Nach den überwältigenden Eindrücken aus Nordindien führte uns unsere Reise weiter nach Süden. Ein früher Inlandsflug brachte uns von Delhi nach Cochin (Kochi) im Bundesstaat Kerala – einer ganz anderen Welt: tropisch, grün, vom Wasser geprägt und spürbar ruhiger als die großen Städte des Nordens.
Cochin, oft „Königin des Arabischen Meeres“ genannt, ist eine Stadt, in der sich seit Jahrhunderten Kulturen und Religionen begegnen. Arabische, chinesische, jüdische und europäische Einflüsse haben hier ihre Spuren hinterlassen. Schon bei der Ankunft wurde deutlich: Dieses Christentum hier ist alt – älter als in vielen Teilen Europas.
Ein besonderer geistlicher Höhepunkt war der Besuch der Wallfahrtskirche St. George Syro-Malabar Forane Church in Edappally. Dieser Ort ist seit Jahrhunderten ein Zentrum christlichen Glaubens. Tausende Pilger kommen hierher, um zu beten, Kerzen zu entzünden und ihre Anliegen vor Gott zu bringen. Die Verbindung aus orientalischer Liturgie, lebendigem Volksglauben und moderner Kirche hat viele von uns tief berührt. Es war spürbar: Glaube ist hier kein Museumsstück, sondern Teil des Alltags.
Anschließend erkundeten wir die historische Halbinsel Fort Cochin, die bis heute von der Kolonialzeit geprägt ist. Wir besuchten den Dutch Palace, dessen prächtige Wandmalereien Szenen aus der hinduistischen Mythologie zeigen – ein beeindruckendes Zeugnis dafür, wie selbstverständlich hier unterschiedliche religiöse Traditionen nebeneinander bestehen.
Ein weiterer bewegender Ort war die St.-Francis-Kirche, die älteste europäische Kirche Indiens. Hier war einst Vasco da Gama begraben. Die schlichte Kirche erzählt von den Anfängen europäischer Mission, von Entdeckungen, Machtinteressen – aber auch von der langen Geschichte des Christentums auf dem indischen Subkontinent.
Besonders eindrucksvoll war der Spaziergang durch das jüdische Viertel Mattancherry. In der Paradesi-Synagoge mit ihrem blau-weißen chinesischen Fliesenboden, den kostbaren Kronleuchtern und den alten Torarollen wurde uns erneut bewusst, wie vielfältig religiöses Leben hier seit Jahrhunderten gewachsen ist. Hinduismus, Christentum, Judentum und Islam – alles liegt hier nur wenige Schritte voneinander entfernt. Ein starkes Zeichen für ein Miteinander, das trotz aller Spannungen immer wieder möglich ist.
Am Abend ließen wir den Tag bei einem gemeinsamen Essen ausklingen. Viele Eindrücke wollten sortiert, Gespräche geführt, Bilder im Herzen bewegt werden. Indien zeigte sich uns immer mehr als ein Land der Gegensätze: laut und still, arm und reich, uralt und modern,