Zum Hauptinhalt springen
Adresse

Zentrales Pfarrbüro Aldekerk
Marktstr. 4
Tel. 02833-576964-0
Mo., Di., Do., Fr. 9-11 Uhr
Donnerstag 16-18 Uhr
stdionysius-kerken@bistum-muenster.de

Follow Us

Buchtipp zum Buch Zwischenwelten von Juli Zeh und Simon Urban

Von Britta Jung

In Hamburg treffen sich 20 Jahre nach Ihrem gemeinsamen Germanistikstudi-um Theresa Kallis und Stefan Jordan wieder – Ihr Gespräch endet im Streit, den sie als Korrespondenz per E-Mail, Whatsapp und später auch über Telegram weiterführen. Das Buch ist ein Briefroman, in dem die beiden sich auf digita-lem Wege zu Ihren Themen austauschen, ihre Positionen darstellen - stre-ckenweise in einem harten Diskurs.

Theresa übernahm nach dem Studium den Bauernhof ihrer Eltern in Branden-burg, betreibt ihn als Bio-Hof und kämpft gegen Bürokratie (nicht nur aus Europa), Preisverfall von Lebensmitteln, den Kostendruck der Abnehmerwirt-schaft und die Geringschätzung gegenüber Landwirten. Sie arbeitet täglich hart – trotzdem lassen die Existenzsorgen ihren Idealismus zunehmend schwinden, zumal sie den finanziellen Untergang befreundeter Nachbarn hautnah miter-lebt.

Stefan ist stellvertretender Chefredakteur einer bekannten Hamburger Zeitung, lebt dort geprägt vom urbanen Leben, gut verdienend, recht sorgen-frei und erscheint in der Korrespondenz rational und journalistischer Neutrali-tät verpflichtet- gelegentlich wirkt sein Ton belehrend und überheblich, was Theresa immer wieder zu langen Tiraden per Mail anstachelt. Stefan erscheint gefangen in einer abgehoben wirkenden Blase, die sich plötzlich verliert, als zwei junge, woke Klimaprotestler, die er selbst in die Redaktion eingeführt hat, seinen von ihm verehrten Chef und später ihn selbst „absetzen“.

Ihre Korrespondenz behandelt alle aktuellen gesellschaftlichen Themen:

  • Klimawandel, Klimapolitik, Agrarpolitik, Bauernproteste
  • Debattenkultur, Wokeismus, Medienkritik, Sprache, Cancel-Culture
  • Genderpolitik, Gendersprache, Identitätspolitik, Rassismus
  • Ukraine-Krieg, Energiepolitik ….

Die unterschiedlichen Perspektiven der Protagonisten machen den aktuellen Diskurs zu diesen Themen sehr deutlich und erläutern dadurch differenziert die verschiedenen Haltungen, die man auch im Alltag wiederfindet. In ihrem schriftlichen Streit um die gegensätzlichen Perspektiven ringen Theresa und Stefan um Verständnis für ihre jeweilige Lebenswelt, es gibt Annäherungen und erneute Distanzierung, jedoch reißt der Dialog am Ende ab -Theresa radikalisiert sich zunehmend in einer Aktivistengruppierung, während Stefan um seinen Posten in der Redaktion kämpft.

Absolut lesenswert, weil viele Themen, die uns als Lesende im Alltag begeg-nen, hier aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet werden und die eigene, oft ja auch einseitige Sicht auf die Dinge hinterfragen.