Germany | Finland | Saint Petersburg | Italy

Home

Aktuelles

Pfarrei

Einrichtungen & Angebote

Kirche & Glaube

Gemeinschaften & Verbände

Home

Predigt am hochheiligen Osterfest – B – 2018

In den Ostererzählungen der Evangelien begegnen uns viele ratlose Menschen. Die Frauen, die zum Grab kommen, sind ratlos: „Wer wälzt uns den Stein weg?“, haben wir eben im Evangelium gehört.  Ratlos und erschrocken stehen sie später im leeren Grab, so berichtet uns das Johannes-Evangelium, aus dem morgen vorgelsen wird. Der junge Mann, der in der Grabkammer sitzt, sagt ihnen: „Erschreckt nicht!“ Aber wie sollen sie das Ganze deuten?

Die Emmausjünger – Ostermontag werden wir von ihnen hören - sind ratlos auf ihrem Weg von Jerusalem.  Sie hatten sich alles ganz anders vorgestellt und stehen jetzt vor dem Nichts. 

Wenn wir hören, wer alles da ratlos war, sind wir mit unseren Ratlosigkeiten in guter Gesellschaft. 

Eltern wissen nicht mehr, was sie ihren Kindern noch sagen sollen.  Sie gehen so eigene Wege.  Sie haben sich so von Gott und seiner Kirche getrennt.  Sagen sie etwas, verschlimmert es nur noch die Situation.  Sie sind ratlos.

Einer hat seinen Arbeitsplatz verloren.  Er sucht, fragt, läuft von einer Firma zur anderen - erfolglos. Er ist ratlos: "Was soll ich denn noch tun?"

Eine schwere Krankheit zerfrisst langsam den Körper eines Menschen.  Die Ärzte sind machtlos und ratlos.  Auch der Kranke weiß sich keinen Rat mehr.

Die Situation im Irak macht uns ratlos. Wie soll, wie kann es weitergehen? Daß Gewalt der falsche Weg ist, hat unser Papst nachhaltig immer wieder betont und sich als Botschafter des Friedens erwiesen.

Die kirchliche Sitation, in der wir uns befinden, ist ebenso nicht gerade rosig. Ratlosigkeit macht sich breit. Warum leben die Menschen ihren Glauben nicht bewußter, intensiver?

Warum sind sie in diesem Bereich so nachlässig?

Auch die Situation in unserer Gemeinde lässt uns ratlos sein. Wie kann es weitergehen? Wie kann Frieden einkehren? Wie finden wir zu einer wirklichen Einheit?

Oft lässt Gott selbst uns ratlos sein.  Ich möchte an  ihn glauben.  Ich suche ihn.  Ich frage nach ihm - finde aber keine Antwort.  Er sagt, er sei nah.  Aber ich erlebe ihn fern.  Er sagt, dass er mich liebt, aber ich spüre nichts davon.  Er sagt, dass er lebt, aber in mir scheint er tot zu sein.  Gott selbst macht mich ratlos.

Die meisten können ihre Ratlosigkeit nur schwer ertragen: "Man muss doch was tun!", sagen sie, "Das muss doch hinzukriegen sein!", "Irgendeinen Weg muss es doch geben!" Gleichzeitig erfahren sie, dass sie nichts tun können, als ihre Ratlosigkeit auszuhalten.  Wahrhaftig, wir stehen ratlos an der Seite derer, von deren Ratlosigkeit die Osterevangelien erzählen.

In einer theologischen Zeitschrift las ich kürzlich:

„Wir haben heute größere Häuser, aber kleinere Familien.

Mehr Bequemlichkeit, aber weniger Zeit.

Mehr Wissen, aber weniger Urteilsvermögen.

Mehr Experten, aber größere Probleme. ...

Wir haben unseren Besitz vervielfacht, aber unsere Werte reduziert.

Wir wissen, wie man seinen Lebensunterhalt verdient, aber nicht mehr, wie man lebt.

Wir haben dem Leben Jahre hinzugefügt, aber nicht den Jahren Leben.

Wir kommen zum Mond, aber nicht mehr an die Tür der Nachbarn. ...

Wir haben den Weltraum erobert, aber nicht den Raum in uns.“

Unsere Feier- und Spaßgesellschaft kann vieles, findet aber keine Antworten auf die tiefgehenden Fragen nach dem Sinn des Lebens. Eine Senisbilisierung der Menschen für das Wesentliche, für Kontemplation und innere Sammlung tut not, damit wir die bestehenden Ratlosigkeiten nicht noch verfielfachen.

Meine Ratlosigkeit, die ich mir eingestehe; meine Begrenztheit, die ich mir eingestehe, macht mich offen für unerwartete, nicht machbare Lösungen:

Menschen begegnen mir, die meine Ratlosigkeit wahrnehmen, andere Möglichkeiten haben als ich, die mir weiterhelfen.  Meine Ratlosigkeit macht mich offen für sie.  Mancher sucht erst eine Beratungsstelle auf, „wenn er selbst mit seinem Latein am Ende ist".  Ratlosigkeit schafft Rat!  Die österliche Ratlosigkeit ist in diesem Horizont für mich geradezu die Einbruchstelle für den Auferstandenen. 

Meine Ratlosigkeit eingestehen wie Petrus, Johannes, die Emmausjünger oder Maria von Magdala: das ist die Tür, durch die der Auferstandene eintreten kann.

Der Ostermorgen findet die Jünger Jesu ratlos vor - ebenso uns heute.  Diese Ratlosigkeit eingestehen, das heißt gleichzeitig: die Tore aufmachen für den Gott des Lebens, dem der Tod das Tor zum Leben ist - und wenn noch so dicke Steine davor gerollt sind. 

Der allmächtige Gott wirkt über die Grenzen unserer Macht hinaus.  Er schafft und erhält Leben, wo der Tod uns ratlos macht.

Menschen mit Allmachtsfantasien werden sich an Ostern kaum freuen können.  "Das werden wir schon auch noch in den Griff bekommen!', betrügen sie sich selbst.

Ratlose Menschen, die angesichts ihrer Ratlosigkeit nicht resignieren, sondern sich öffnen für die Möglichkeiten anderer – nicht zuletzt für die Möglichkeiten Gottes:

denen erschließt sich die Freude des heutigen Festes: Gott lässt seinen Sohn nicht im Grab.  Gott lässt seinen Sohn nicht im Tod.  Der Gott des Lebens ist stärker als der Tod.  Das ist die Quelle der Hoffnung für alle Ratlosen, die um ihre eigene Begrenztheit wissen, die sich ihre Ratlosigkeit eingestehen.

Genau das haben auch Sie erfahren, lieber Asso Joel Boniface Guede: Auf der Suche nach dem Sinn, nach der Tiefe des Lebens, nach der Wahrheit, sind Sie auf Gott gestoßen, dem Ratgeber, den Herrn des Lebens, und haben sich von Menschen überzeugen lassen, die ihnen Vorbild waren. (Ihre Schritte, die Sie gegangen sind, sind beachtliche Zeugnisse unseres Glaubens. Hätten wir doch mehr Menschen, die mit Freimut und Überzeugung ihren Glauben leben würden. Um die Zukunft des Christentums müßte uns nicht bange sein.)

Das Osterfest, liebe Gemeinde, schafft Rat, es führt zum Leben hin, es richtet uns auf und eröffnet uns – gerade angesichts von Ratlosigkeit – neue Perspektiven. Vertrauen wir uns diesen Perspektiven des Lebens an, gerade auch jetzt in der Situation, in der wir uns hier in  der Gemeinde  befinden -  dann erfahren wir Rat, Rat vom auferstandenen und erhöhten Herrn selbst. Vertrauen wir uns diesem Ratgeber an – er läßt uns nicht im Stich – er führt uns zur Fülle des Lebens, zum wirklichen, zum echten, zum wahren Leben, zur Einheit und zum Frieden. Er ist der Einzige, der unsere Ratlosigkeiten durchbrechen kann mit seinen unerschöpflichen Möglichkeiten, mit seinem Rat, den wir zu hören und anzunehmen bereit sein müssen. Vertrauen wir seinen Worten, stellen wir unser Leben auf sein Fundament, auf das Fundament des Glaubens an die Auferstehung von den Toten, das schafft wirklich Rat. Amen.

Adressen


Seelsorger


Pfarrer Theodor Prießen
Tel. 02833-576964-10

Handy 0170-1526267

Kaplan Pater Dr. Abraham
Tel. 02833-576964-35

Diakon Johannes SIebers
Tel. 02831-5061


Pfarrbüros


e-mail: stdionysius-kerken@bistum-muenster.de

Aldekerk, Marktstraße 4
Tel. 02833-576964-50
Mittwoch 15-17 Uhr
Freitag 9-12 Uhr

Nieukerk, Dionysiusplatz 10
Tel. 02833-576964-0
Mo, Di, Mi, Fr von 9-12 Uhr
Di 16-18 Uhr

Stenden, Alter Kirchweg 1
Tel. 02833-576964-80
Mi, Fr von 9-11.00 Uhr


Notfallbereitschaft (Krankenhaus Geldern)
02831-3900

Facebook

Nun ist es zusätzlich möglich aktuelle Informationen unserer Pfarrgemeinde über Facebook zu erhalten. Hierzu einfach den Gefällt-mir Button betätigen!

facebook link

Aktuelle Besucherzahlen

Aktuell sind 183 Gäste und keine Mitglieder online

Login